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Englisch und LRS: Das Alphabet sicher lernen – mein Ansatz mit Kindern

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Englisch und LRS: Das Alphabet sicher lernen – mein Ansatz mit Kindern

Englisch und LRS beschäftigt mich seit Jahren. Und verändert immer mehr mein Handeln. Wenn ich mit den Kindern in den Englischkursen arbeite, beginne ich oft nicht dort, wo der Unterricht in der Schule gerade ist. Ich beginne viel früher. Bei etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte: dem Alphabet.

Und gleichzeitig merke ich immer wieder: Für diese Kinder ist es das nicht.

Ich habe Kinder vor mir sitzen, die einzelne Buchstaben nicht sicher benennen können. Die bei „g“ zögern. Die „w“ und „v“ verwechseln. Die beim Buchstabieren innerlich aussteigen, weil sie gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Und dann soll dieses Kind englische Wörter schreiben.

Deshalb gehe ich einen Schritt zurück. Nicht, weil die Kinder „zu schwach“ sind. Sondern weil ihnen eine Grundlage fehlt, die sie dringend brauchen.

Ich arbeite das Alphabet nicht einfach einmal durch. Ich lasse es auch nicht nebenbei mitlaufen. Ich mache es zu einem festen Bestandteil unserer Arbeit.

Und vor allem: Ich arbeite nicht nur mit den Buchstabennamen.

Denn genau das ist ein Punkt, der im Englischen oft für Verwirrung sorgt. Die Kinder lernen „bi“, „si“, „di“ – aber das hilft ihnen beim Lesen und Schreiben nur bedingt. Was sie brauchen, sind die Laute.

Das bedeutet: Wir sprechen über /b/, /k/, /t/ – nicht nur über „bi“, „si“, „ti“. Wir hören genau hin. Wir spüren, wie sich ein Laut im Mund anfühlt. Wir verbinden den Buchstaben mit einem Klang, nicht nur mit einem Namen.

Am Anfang wirkt das für viele Kinder ungewohnt. Manche schauen mich irritiert an. Aber genau hier entsteht etwas Entscheidendes: erste Verknüpfungen.

Ich arbeite dabei sehr langsam. Viel langsamer, als man es vielleicht aus dem Unterricht kennt. Wir nehmen uns wenige Buchstaben gleichzeitig vor. Wiederholen sie. Nutzen sie in kleinen Wörtern. Greifen sie immer wieder auf.

Und ich beobachte genau.

Wo stockt ein Kind?
Wo ist noch Unsicherheit?
Welcher Buchstabe ist noch nicht „gesetzt“?

Gerade Buchstaben wie „g“, „j“, „y“ oder „w“ sind häufig Stolperstellen. Auch die englischen Buchstabennamen an sich sind für viele Kinder eine Herausforderung. „double u“ ist lang. „aitch“ passt nicht zu dem, was sie sehen. „i“ klingt plötzlich wie „ai“.

Das alles muss erst einmal sortiert werden.

Deshalb ist Wiederholung bei mir kein Zusatz, sondern ein Prinzip. Wir wiederholen nicht, weil die Kinder „es noch nicht können“, sondern damit sie Sicherheit aufbauen können.

Ich arbeite viel mit Sprechen, mit Zeigen, mit Schreiben. Die Kinder hören einen Laut, zeigen den passenden Buchstaben, schreiben ihn auf, sprechen ihn wieder aus. Mehrere Zugänge gleichzeitig.

Und ich achte darauf, dass die Kinder Erfolgserlebnisse haben.

Ein Kind, das sicher sagen kann: „Das ist ein b, das klingt /b/“, hat etwas erreicht. Das ist kein kleiner Schritt. Für viele dieser Kinder ist das ein wichtiger Baustein.

Erst wenn diese Sicherheit langsam entsteht, beginne ich, Buchstaben miteinander zu verbinden. Kleine Wörter. Einfache Strukturen. Nichts Überforderndes. Aber etwas, das Sinn ergibt.

Und plötzlich passiert etwas.

Kinder, die vorher nur einzelne Buchstaben gesehen haben, beginnen, Muster zu erkennen. Sie trauen sich, Wörter zu lesen. Sie versuchen zu schreiben. Noch unsicher, noch langsam – aber sie beginnen. Sie melden sich, wollen plötzlich die Wörter aus einem Spiel vorlesen.

Für mich ist das der Moment, in dem deutlich wird, warum sich dieser Weg lohnt.

Das Alphabet ist hier nicht einfach ein Einstiegsthema. Es ist ein Werkzeug. Und je sicherer die Kinder dieses Werkzeug beherrschen, desto stabiler wird alles, was darauf aufbaut.

Fazit: Sicherheit vor Tempo

Deshalb nehme ich mir die Zeit dafür. Immer wieder. Ohne Druck. Aber mit Klarheit.

Denn ich habe gelernt: Wenn das Fundament fehlt, hilft es nicht, schneller zu bauen.

Ein kleiner, aber wirkungsvoller Schritt kann sein, das Alphabet regelmäßig in kurzen Sequenzen zu wiederholen. Nicht als Test, sondern als gemeinsame Übung. Ohne Zeitdruck. Ohne Bewertung.

Gerade für Kinder mit LRS ist es entscheidend, dass sie erleben: Ich darf langsam lernen. Ich darf wiederholen. Und ich darf sicher werden.

Unter anderem diese Artikel zum Thema Englisch und LRS finden Sie auf meiner Homepage: Gut vorbereitet für Klasse 5

Meine Netzwerkkollegin Susanne Seyfried hat folgenden Artikel: Englisch lernen mit LRS: Warum es schwer ist – und was hilft

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