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Lernspiele „Ich glaub, der fällt gleich…“

Lernspiele „Ich glaub, der fällt gleich…“

– Warum genau hier Lernen passiert

Manchmal sind es die leisen Momente, in denen Lernen am intensivsten passiert.

Nicht dann, wenn ein Arbeitsblatt vor einem liegt. Nicht dann, wenn etwas „richtig gemacht werden muss“. Sondern dann, wenn ein Turm wackelt.

Wenn ein Kind die Luft anhält, die Hand ganz langsam nach vorne schiebt und flüstert:
„Ich glaub, der fällt gleich…“

Und ich daneben sitze und denke: Ja. Vielleicht. Und genau das ist der Punkt.

Dann wird ein Teil gesetzt.
Alle schauen.
Ganz kurz ist es still.

Und dann passiert es: Der Turm bleibt stehen. Oder er kracht zusammen. Beides sorgt für Reaktionen.

Ein leises „Yes!“ mit leuchtenden Augen.
Oder ein empörtes „Och nee!“ – manchmal gefolgt von einem Lachen, manchmal auch nicht sofort.

Und genau da beginnt eigentlich das Lernen. Nicht sichtbar. Nicht messbar. Aber unglaublich wirksam. Kinder beobachten plötzlich ganz genau. Sie werden vorsichtig. Oder mutig.
Oder auch ein bisschen übermütig – was dann meistens direkt Konsequenzen hat.

Sie wägen ab: „Wenn ich das jetzt hier hinsetze… hält das?“ Sie probieren aus. Sie machen Fehler.
Und – das ist das Entscheidende – sie machen einfach weiter.

Ohne dass jemand sagt: „Das war falsch.“ Ohne dass etwas rot angestrichen wird.

Manchmal murmeln sie vor sich hin: „Okay… das war keine gute Idee.“ Und ich sitze daneben und denke:
Perfekt. Mehr brauche ich gerade gar nicht. Denn in diesen Momenten übernehmen sie Verantwortung für ihr eigenes Denken.

Ich sehe, wie Strategien entstehen.
Ich sehe, wie Kinder sich selbst regulieren – oder es zumindest versuchen.
Ich sehe, wie sie mit Frust umgehen. Oder eben noch nicht. Auch das ist okay.

Und ich sehe diese besonderen Momente, in denen sie über sich hinauswachsen: Wenn ein Kind, das sich sonst schnell zurückzieht, plötzlich sagt: „Warte, ich probier’s nochmal.“ Wenn ein anderes ganz vorsichtig wird, obwohl es sonst eher schnell und impulsiv handelt. Wenn sie anfangen, sich selbst Tipps zu geben. Oder mir. „Nicht da! Der kippt!“ Ja. Danke. Ich halte mich dran.

Und irgendwo zwischendrin passiert Lernen.
Ganz leise.
Ganz selbstverständlich.

Ohne Druck.
Ohne Bewertung.
Aber mit ganz viel Wirkung.

Genau deshalb liebe ich diese Spiele so sehr.

Und genau deshalb stelle ich heute drei davon vor, die in meiner Lerntherapie immer wieder auf den Tisch kommen – und selten nur einmal gespielt werden:

Stapeldino

Spielanleitung

Die Dinofiguren werden zusammen mit den Vorlagekarten bereitgelegt.

  1. Eine Karte wird aufgedeckt.
  2. Das Kind (oder die Spieler) betrachten die Vorlage genau.
  3. Anschließend wird versucht, die abgebildete Konstruktion mit den Dinofiguren nachzubauen.

Wichtig:

  • Die Lage und Ausrichtung der Dinos muss stimmen.
  • Es darf ausprobiert und korrigiert werden.
  • Das Ergebnis gilt erst, wenn die Konstruktion frei steht.

Förderung

  • visuelle Wahrnehmung (genaues Hinschauen)
  • räumliches Denken (Lagebeziehungen erkennen)
  • Feinmotorik
  • Hand-Auge-Koordination
  • Ausdauer und Frustrationstoleranz

Das Kind arbeitet im eigenen Tempo. Sehr gut geeignet, um genaues Arbeiten und Selbstkontrolle zu beobachten.

Stapelmännchen

Spielanleitung

Alle Figuren liegen bereit.

  1. Die schwarze Figur wird als Basis auf den Tisch gestellt.
  2. Die Spieler setzen reihum jeweils eine weitere Figur ihrer Farbe auf den Stapel.
  3. Ziel ist es, den Stapel möglichst lange stabil zu halten.

Wichtig:

  • Es darf nur eine Hand benutzt werden.
  • Die Figur muss losgelassen werden – erst dann zählt der Zug.
  • Der Stapel darf nicht gestützt werden.

Fällt der Stapel, ist die Runde beendet.

Förderung

  • Feinmotorik und Dosierung von Kraft
  • Gleichgewichtssinn
  • Planung und vorausschauendes Denken
  • Impulskontrolle
  • Frustrationstoleranz

Hier werden zusätzlich soziale Aspekte sichtbar:
Umgang mit Fehlern, Kommentare, Kooperation.

Jenga

Spielanleitung

Der Turm wird aufgebaut (jeweils 3 Steine pro Ebene, versetzt gestapelt).

  1. Die Spieler sind reihum dran.
  2. Ein Stein aus einer unteren Ebene wird vorsichtig herausgezogen.
  3. Der Stein wird oben auf den Turm gelegt.

Wichtig:

  • Nur eine Hand verwenden.
  • Steine dürfen vorsichtig getestet werden.
  • Die oberste vollständige Reihe darf nicht entfernt werden.

Fällt der Turm, ist das Spiel beendet.

Förderung

  • Feinmotorik
  • Konzentration und Ausdauer
  • Impulskontrolle
  • Risikoabschätzung und Entscheidungsfähigkeit
  • Frustrationstoleranz

Es fördert Abwarten, Spannung aushalten und strategisches Denken. Und in der Kleingruppe ist es sehr gut zur Beobachtung von Risikoverhalten und Gruppendynamik geeignet.

Diese drei Spiele werden immer wieder gewünscht. Und wenn es nach den Kindern gehen würde, dann würden wir die ganze Therapiestunde nur spielen. Nur spielen? Nein, auch jede Menge lernen dabei.

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