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Englisch und LRS: “Mount Mats”
oder: Wie Spielideen im Ferienkurs entstehen können
Wieder ist ein Ferienkurs „Englisch und LRS“ zu Ende gegangen. Diesmal war es eine Kleingruppe mit Kindern aus der dritten Klasse. Sie kannten sich zuvor nicht. Das ist auch für mich immer spannend: Passt die Gruppe zusammen? Wie gehen die Kinder aufeinander zu? Wie entwickelt sich die Gruppendynamik?
So viel vorab: „Wenn dieses Kind wieder mit dabei ist, dann möchte ich nochmals einen Kurs mitmachen.“ Das sagt doch sehr viel aus.
Im Grunde entstand dieser Kurs eher zufällig. Ein Geschwisterkind kam mit in die Lerntherapiepraxis und sah Bilder, die ich am Wochenende zuvor für einen Englischkurs eingesetzt hatte. Das Kind meinte, Englisch sei total doof, schwer und überhaupt nicht sein Fach. Ich kam mit der Mutter ins Gespräch. Daraus entwickelte sich die Idee, einen Englischkurs für Kinder der dritten und vierten Klasse anzubieten.
Gesagt, getan. In den Pfingstferien war es so weit. Fünf Tage lang, jeweils von 9.00 bis 11.00 Uhr. Draußen war strahlendes Poolwetter. Die Uhrzeit passte bestens, denn so blieb den Kindern noch genügend Zeit für Freibad, Pool und Ferien.
Für mich war es ausgesprochen spannend, mit Kindern aus der dritten Klasse – also mit noch relativ wenig Englisch-Vorerfahrung – zu arbeiten. Was mich in dieser Woche besonders berührt und begeistert hat, war der Hunger der Kinder, wissen zu wollen, verstehen zu wollen und gut sein zu wollen. Es war eine Freude, mit ihnen zu arbeiten.
Zu Beginn eines Kurses habe ich immer Grundideen im Kopf. Ich weiß, welche Inhalte ich erarbeiten möchte und wo mein Fokus liegen soll. Das Gerüst steht meist bereits. Gefüllt wird es aber immer erst im Laufe der Tage. Denn jede Gruppe ist anders. Ich muss zunächst herausfinden, was die Kinder bereits können, welche Erfahrungen sie mit Englisch gemacht haben und wo mögliche Schwierigkeiten liegen.
Ebenso spannend ist die Frage, wie lange Kinder aufmerksam und motiviert mitarbeiten können und wie viele Pausen sie benötigen. Diesmal hatte ich ein Grüppchen, das am liebsten gar keine Pause machen wollte. Die Kinder waren so angetan von dem, was sie plötzlich konnten, was sie lernten und vor allem davon, wie sie lernten. Ganz anders, als sie es häufig aus der Schule kennen.
Die Stunden bestanden aus vielen kleinen, kurzweiligen Einheiten. Trotzdem ging es immer ums Lernen. Darum, sich zu trauen, Wörter zu erlesen und auszusprechen. Der Ablauf war jeden Tag ähnlich, um Routine und Sicherheit aufzubauen.
In der ersten Stunde arbeiteten wir mit dem Phonic Board. Die Kinder fragten nicht, wie viele Wörter sie schreiben müssten, sondern wie viele Wörter sie schreiben dürften. Allein diese Frage sagt schon viel aus.
Wir erarbeiteten unter anderem die Wortfamilien -at und -an. Dazu hatte ich eigene Spiele entwickelt. Als ich den Kindern erzählte, dass ich diese Spiele selbst gestaltet hatte, war ein Junge völlig begeistert von der Vorstellung, selbst Spiele entwickeln zu können. Sofort begann er zu überlegen, wie ein neues Spielfeld aussehen könnte.
Ich schrieb mir seine Idee auf und versprach ihm, bis zu einem der nächsten Kurse zu überlegen, ob sich daraus etwas machen ließe. Mir war bewusst, dass ich nicht nur zehn Minuten dafür benötigen würde.
Am nächsten Tag kam sofort die Frage:
„Und hast du das Spiel schon gemacht?“
Ich musste schmunzeln, verriet aber noch nichts.
Erst gegen Ende der Einheit holte ich die neuen Spielpläne hervor. Und als kleine Krönung hatte ich jedes Spiel personalisiert:
Mount Mats, Mount Ruby, Mount …
Die Kinder waren begeistert.
Und ich ebenfalls.
Jetzt habe ich eine neue Spielvorlage und werde daraus noch viele weitere Spiele entwickeln.
Was ich an solchen Momenten besonders mag: Viele meiner Kurse entstehen genau auf diese Weise. Da gibt es einen Wunsch eines Kindes, eine Frage von Eltern oder einen Bedarf, der im Gespräch sichtbar wird. Gemeinsam schauen wir dann, ob sich mehrere Kinder mit ähnlichen Themen oder Interessen finden lassen und ob passende Termine möglich sind.
So sind in den vergangenen Jahren ganz unterschiedliche Angebote entstanden – von Englischkursen für Grundschulkinder über „Englisch und LRS-Kurse für 6. und 7. Klassen”, bis hin zu Vorbereitungskursen für den Haupt- oder Realschulabschluss im Fach Englisch.
Wenn Sie für Ihr Kind eine Idee haben oder sich ein bestimmtes Angebot wünschen, sprechen Sie mich gerne an. Nicht jede Gruppe findet sich sofort. Oft ergeben sich jedoch aus Gesprächen mit Eltern und Kindern genau die Angebote, die gerade gebraucht werden.
Und genau darin liegt für mich etwas sehr Wertvolles. Immer wieder erlebe ich, wie Kinder entdecken, dass sie viel mehr können, als sie selbst von sich glauben. Wie Knoten platzen. Wie aus Unsicherheit wieder Zutrauen wird. Wie Kinder mutiger werden, sich mehr zutrauen und plötzlich Spaß an einer Sprache oder einem Fach entwickeln, das sie zuvor als schwierig oder sogar als „doof“ erlebt haben.
Für mich sind das die schönsten Momente meiner Arbeit.
Und – vielen Dank für eure tollen Ideen.
Eure
Sabine Walker
Sie finden noch weitere Artikel auf meiner Homepage. Unter anderem: Englisch & LRS: Englisch zuerst hören, Englisch und LRS: Warum das Alphabet oft unterschätzt wird
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