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Wie meine Schulzeit mich geprägt hat

Wie meine Schulzeit mich geprägt hat

Ich liebe es zu fotografieren. Und ich liebe schöne Bilder. Fotografierte Bilder, Gemälde, Drucke – alles. Es ist eine Freude, diese zu betrachten. Ich selbst jedoch bin überzeugt, nicht malen zu können. Das sitzt tief verankert in mir. Als ich den Aufruf von Nicole Gerbatsch zu ihrer Blogparade „Wie meine Schulzeit mich geprägt hat“ gelesen habe, dachte ich: „Toll, da mache ich natürlich mit.“ Denn dieses Thema beschäftigt mich auch schon seit Längerem.

Sehr schnell kam ein Thema dabei hoch: Malen können.

Ich war nie sehr davon überzeugt, malen zu können, kreativ sein zu können. Zum einen wurde es in meiner Kindheit nicht gefördert, zum anderen ging ich zumindest während der Grundschulzeit sehr unbedarft an diese von der Schule gestellten Aufgaben heran. Das änderte sich während meiner Realschulzeit. Und dann ganz besonders während meiner ersten beruflichen Ausbildung.

Während meiner Realschulzeit war ich neidisch auf die, die so gut zeichnen konnten, dass jedes ihrer Bilder gute Noten erhielt und einfach auch toll aussah. Ich versteckte mich immer mehr hinter dem Satz: „Ich habe da halt keine Begabung dafür. Zeichnen ist nichts für mich.“ Innerlich sah es jedoch ganz anders in mir aus. Ich hätte gerne sehr gut zeichnen und malen können. Ich wäre gerne stolz auf meine Gemälde gewesen.

Noch schlimmer wurde es in meiner Berufsausbildung zur Erzieherin. Ich weiß sogar noch bis heute, wie die Kunstlehrerin hieß – und das ist über 40 Jahre her. Ich hatte keine Chance bei ihr. Egal, was ich machte, wie ich mich anstrengte, egal, was ich unternahm: Ich war einfach chancenlos. Ich bekam immer die gleichen schlechten Noten. Ein ganzes Schuljahr lang.

Dann bekamen wir im nächsten Schuljahr eine andere Kunstlehrerin, die neu an der Fachschule war. Unser erstes Projekt war es, einen Zauberstab aus Holz durch verschiedene Bearbeitungsmöglichkeiten zu verzieren (ist das nicht unglaublich, was das Gehirn über so lange Zeit speichern kann?). Ich bekam die Note für diesen Zauberstab: eine Eins. Ich konnte es nicht fassen.

In diesem Schuljahr war ich sehr motiviert, aktiv am Kunstunterricht teilzunehmen und wirklich fleißig zu sein. Der Erfolg war, dass ich am Abschluss eine gute Note hatte – die beste seit meiner Realschul- und Fachschulausbildungszeit.

Und trotzdem: Dieses eine Jahr konnte nicht auslöschen, was bis heute in mir nachwirkt. Ich bin völlig unbegabt für Kunst und Kreativität. Das denke ich über mich. Was im Grunde völlig schräg ist, denn in meinem Leben gab es immer wieder Stationen, in denen ich sehr wohl selbst sehen konnte und von außen die Bestätigung bekam, dass ich in diesen Bereichen gut bin.

Und trotzdem.

Nicole Gerbatsch gab als Anregung für diesen Blog unter anderem folgende Frage mit:

Was würdest du deinem jüngeren Ich rückblickend mitgeben?

Ich möchte meinem jüngeren Ich mitgeben: „Ich sehe deinen Schmerz, deine Verzweiflung, deine Trauer. Ich sehe, dass du dich fühlst wie in einem Kokon, der zu eng ist. Ich sehe, wie dich diese Kunstlehrerin verletzt hat. Das sind Kommentare von außen. Eindrücke von außen. Du selbst hast es gut gemacht. Ich sehe deine ganzen Bemühungen und dein „Nie aufgeben!“. Dafür bewundere ich dich. Ich bewundere dich, dass du dich auch als Erwachsene immer wieder darauf eingelassen hast zu malen. Und dass du auf einige Bilder sogar stolz bist. Und ich sehe deine Liebe zur Fotografie, den kleinen Dingen des Lebens, die du einfängst. Die du siehst und festhältst. Mach weiter so. Du kannst es. Du bist kreativ und schöpferisch. Und was ich dir vor allem mitgeben möchte: Wirf die alten Glaubenssätze aus deinem Leben, die dich bis zum heutigen Tag gefangen halten.“

Eine weitere Frage von Nicole Gerbatsch ist:

Welche Veränderungen würdest du dir für das heutige Bildungssystem wünschen – basierend auf deinen Erfahrungen?

Ich wünsche mir für unser Bildungssystem, dass Kunst nicht mehr benotet und bewertet wird. Ich wünsche mir, dass den Kindern und Jugendlichen gezeigt wird, wie man sich über Kunst ausdrücken kann. Welche Formen und Möglichkeiten es gibt. Ich wünsche mir, dass die Schüler aller Klassenstufen ermutigt werden, sich mit Kunst auseinanderzusetzen. Und dass sie für ihr Leben mitbekommen, dass in ihnen ungeheuer viel Kreativität steckt.

Und was mich angeht? Ich merke, dass diese Reise noch lange nicht zu Ende ist. Jedes Mal, wenn ich heute meine Kamera in die Hand nehme und den Auslöser drücke, bricht ein Stück meines alten Kokons auf. Ich lerne – Schritt für Schritt –, dass mein kreativer Ausdruck ganz allein mir gehört. Keiner Lehrerin und keiner Zensur der Welt. „Hans“ lernt vielleicht anders und manchmal langsamer als „Hänschen“, aber er lernt. Und heute entscheide ich, dass ich kreativ bin.

Mein Weg zeigt mir, wie tief die Wunden und Sätze unserer Schulzeit sitzen können. Aber er zeigt mir auch, dass wir die alten Drehbücher unserer Lernbiografie jederzeit umschreiben dürfen. Die Noten von damals definieren nicht, wer wir heute sind und was in uns steckt.

Ich werfe meine alten Glaubenssätze jetzt jedenfalls endgültig aus meinem Leben und ersetze sie durch etwas Neues, Positives.

Jetzt interessiert mich deine Geschichte: Welche Sätze oder Bewertungen aus deiner Schulzeit halten dich heute vielleicht noch gefangen? In welchen Bereichen glaubst du zu Unrecht, „unbegabt“ zu sein? Lass uns gerne in den Kommentaren darüber austauschen – denn es ist nie zu spät, das eigene Potenzial wiederzuentdecken!

 

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